Stadtbahnwagen GT-F der Würzburger Straßenbahn

Technische Zeichnung vom GT-F

Der Fuhrpark der Würzburger Straßenbahn ist inzwischen in die Jahre gekommen. Die neueste Fahrzeuggeneration bilden die 20 GT-N von 1995/96. 14 Stadtbahnwagen vom Typ GT-E wurden 1989 in Betrieb genommen. Und die verbliebenen 6 Düwag-Straßenbahnen stammen noch aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Zwar verkehren alle Züge nach wie vor sehr zuverlässig, doch die Beschaffung von Ersatzteilen wird mit zunehmendem Alter der Fahrzeuge immer problematischer. Daher war eine Bestellung von Neufahrzeugen unumgänglich.

18 Niederflur-Straßenbahnen der Bauart GT-F bei Heiterblick bestellt

Im November 2018 startete die WSB eine EU-weite Ausschreibung von 18 Niederflur-Einrichtungs-Straßenbahngelenktriebwagen. Den Zuschlag erhielt der in Leipzig ansässige Straßenbahnhersteller Heiterblick GmbH. Dessen Fokus liegt auf Spezialanfertigungen. Maßgeschneiderte Fahrzeugkonzepte werden individuell nach Einsatzzweck entwickelt und die Sonderfahrzeuge anschließend in Leipzig produziert. Am 9. Dezember 2019 unterzeichnete die WVV den Liefervertrag in Höhe von 65 Millionen Euro (andere Quelle: rund 81 Millionen Euro).Nach oben scrollen

Technische Ausrüstung des GT-F

Die 18 Stadtbahnwagen bekommen die Typbezeichnung GT-F und werden die Betriebsnummern 215 bis 232 erhalten. Wegen den engen Kurvenradien entschied man sich für 5-teilige Fahrzeuge, die 36 Meter lang und 2,40 Meter breit sein werden. Der minimalste Gleisradius liegt bei lediglich 17,5 Metern. Das Eigengewicht wird mit 49,4 Tonnen angegeben. Die Motorenleistung liegt bei üppigen 760 Kilowatt (lt. Datenblatt von Heiterblick: 8 x 100 kW), um problemlos die Steilstrecke zwischen Heidingsfeld und Heuchelhof befahren zu können. Die elektrische Ausrüstung liefert Voith Digital Solutions Austria aus St. Pölten. Für den mechanischen Teil inklusive der Drehgestelle sowie die Fertigung ist Heiterblick zuständig.

Die GT-F werden barrierefrei ausgeführt, wobei zwei große Sondernutzflächen pro Garnitur viel Platz für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder bieten sollen. Dennoch werden sie nicht zu 100 Prozent niederflurig sein, denn die Drehgestelle unter der ersten und letzten Sektion nehmen etwas Innenraum weg. Dementsprechend variiert die Fußbodenhöhe zwischen 360 mm über Schienenoberkante in den Niederflurbereichen und 660 mm über den Drehgestellen. Dafür bietet die Drehgestelltechnik ein angenehmes Fahrgefühl, inbesondere im Einlauf von Bögen, und verspricht einen geringen Verschleiß an Rad und Schiene — im Gegensatz zu den GT-N-Zügen, die bekanntlich ohne Drehgestelle auskommen.

Komfort für Fahrer und Fahrgast im GT-F

Weitere Pluspunkte der neuen, exklusiv für die WSB designten Stadtbahnzüge sind Infotainment-TFT-Monitore, USB-Ladesteckdosen und eine Klimaanlage, die den kompletten Zug temperiert. Der Fahrer wird sein Klima getrennt regeln können. Die Transportkapazität liegt laut Heiterblick bei 76 Sitzplätzen plus 6 Klappsitzen in den multimodalen Räumen sowie 147 Stehplätzen. Die WVV gibt 74 Sitzplätze, 6 Klappsitze sowie 140 Stehplätze an. Zum Vergleich: Ein GT-N hat 76 Sitz- und 78 Stehplätze, ein GT-E dagegen 78 Sitz- und 190 Stehplätze. Nach oben scrollen

Anlieferung und Inbetriebnahme der GT-F-Züge

Ursprünglich war geplant, dass bereit 2022 die ersten Züge anrollen und die Betriebsgenehmigung erhalten sollten. Doch leider wird Würzburg die neuen Stadtbahnzüge deutlich später erhalten. Nicht nur die Corona-Pandemie und der Chipmangel sind Schuld daran. Hauptauslöser für die Verzögerung ist der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, denn der Stahl für die Bahnen wurde in der Ukraine bestellt. Durch die angespannte Liefersituation kommt es beim Hersteller zu Lieferschwierigkeiten. Nach aktuellem Stand (Mai 2022) wird der erste GT-F frühestens Ende 2023 bei der WSB eintreffen. Anfang 2021 bekam die WSB von Heiterblick ein Funktionsmodell des ersten Wagenteils der neuen GT-F-Baureihe. Dabei handelt es sich um eine 1:1-Darstellung der neuen Bahnen in Größe und Raumverhältnis. Anhand dessen prüft die WSB bzw. WVV in Absprache mit dem Hersteller nun genau, wie der Einstieg oder auch der Fahrerstand gestaltet wird. Wenn schließlich die GT-F anrollen, wird der Testbetrieb jedoch auch seine Zeit beanspruchen. Bei Vertragsabschluss hieß es, dass 2023/2024 mit den letzten Garnituren der 18 GT-F-Züge zu rechnen sei, was sich aus oben genannten Gründen voraussichtlich um etwa zwei Jahre nach hinten verschieben wird. Die neuen Fahrzeuge werden zuerst die verbliebenen GTW-D8 ersetzten sowie nach und nach die GT-E-Stadtbahnwagen. Nach oben scrollen

Technische Daten

Bezeichnung: Niederflurgelenktriebwagen GT-F
Bauart: 5-teiliger 100% Niederflur-Gelenktriebwagen
mit 8 angetriebenen Achsen
Fahrzeugnummern: 215 - 232
Baujahre: 2019 - 2024
Hersteller: Heiterblick Leipzig
Spurweite: 1000 mm
Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h (auf 60 km/h begrenzt)
Achsfolge: Bo'+Bo+()+Bo+Bo' (1 schwebendes Mittelteil)
Fahrleitungsspannung: 750 V Gleichspannung
Fahrmotoren: Heiterblick: 8 x 100 kW (insgesamt 800 kW)
WVV: 8 x 95 kW (insgesamt 760 kW)
Leergewicht: Heiterblick: 49,4 t
WVV: ca. 51 t
Fußbodenhhöhe Niederflurbereich: 310 mm / 360 mm
Fußbodenhhöhe über den Drehgestellen: 555 mm / 660 mm
Einstiegshöhe: 250 mm
Platzangebot: Heiterblick: 76 Sitzplätze (+6 Klappsitze)
147 Stehplätze (4 Personen/m²)
WVV: 74 Sitzplätze (+6 Klappsitze)
140 Stehplätze (4 Personen/m²)
Länge / Breite / Höhe: 36.000 / 2.400 / 3.500 mm

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Video von der Präsentation des Funktionsmodelles von der WVV auf Youtube