Straba-Linie 6: Frauenland, Hubland, Universität

Stadtbahn-Linie 6: Übersicht

Derzeit fährt die Stadtbahn in Würzburg auf 5 Linien. Es ist geplant, eine neue Linie vom Hauptbahnhof über Barbarossaplatz und Residenz durch das Frauenland bis zum Universitätsgelände und dem Leighton-Areal am Hubland zu bauen. Ursprünglich sollte die neue „Stadtbahnlinie 6 Hubland“ bereits zur Landesgartenschau 2018 in Betrieb gehen.[1] Doch trotz „Vorfahrt“ seitens der Stadt und einer positiven Grundhaltung der Würzburger Bevölkerung gegenüber der Straßenbahn konnte das Projekt leider nur schwer Fortschritte erzielen.[2][3][4] Das Planfeststellungsverfahren wurde im Dezember 2020 abgeschlossen[5] und die Fördermittel werden beantragt. Die EU-weite Ausschreibung der Bauleistung ist in Vorbereitung.[6] Nachfolgend ist die gegenwärtige Streckenführung mit den noch nicht finalen Haltestellennamen zu sehen. Außerdem wird erörtert, welche Vorzüge eine Stadtbahn gegenüber dem Busbetrieb hat sowie die geschichtliche Entwicklung des Stadtbahnprojektes „Linie 6“ beleuchtet.


Das Liniennetz der Würzburger Straßenbahn mit der Linie 6

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Was spricht für die Straßenbahn und gegen den Bus?

Studien haben ergeben, dass die Menschen die Bahn dem Bus vorziehen. Etwa doppelt so viele Menschen nutzen den ÖPNV, wenn Bahnen fahren – selbst wenn die Fußwege zu den Stadtbahn-Haltestellen länger sein sollten als beim Bus.[7] Als Beispiel sei die Linie 5 zum Heuchelhof genannt. Obwohl die Omnibusse den Stadtteil sehr gut bedienten, inklusive einem Schnellbus direkt aus der Stadtmitte, verdoppelte sich die Fahrgastzahl erst mit der Stadtbahn.[8] Überhaupt erlebt die Straßenbahn weltweit eine Renaissance und auch zahlreiche deutsche Städte führen die Bahn wieder ein.[9] Überall dort, wo sie verkehrt, gewinnt die Stadt an Wert und Flair[8] und ist ein Motor für eine nachhaltige Stadtentwicklung.[10]

Gegen den Busbetrieb – egal ob elektrischer Antrieb oder mit Verbrennungsmotor – spricht die starke Abnutzung der Straße. Ein gut besetzter Bus setzt der Straße so zu wie 100.000 Pkw. Ein Stadtbahnzug ersetzt zwei Gelenkbusse, damit werden die Personalkosten halbiert. Zwar sind die Bahnen in der Beschaffung teurer als Busse, sind dann aber 30 bis 40 Jahre in Betrieb. In dieser Zeit verschleißen drei bis vier Busgenerationen.[8] Auch die hohen Investitionen in die Infrastruktur zahlen sich langfristig aus, weil die neuesten Fahrzeuggenerationen äußerst energiesparend und effizient sind.[9] Zu guter Letzt muss erwähnt werden, dass eine Stadtbahn ihren eigenen Gleiskörper und damit immer freie Fahrt hat. Busse müssen sich die Straße meist mit dem Individualverkehr teilen und stecken zu Stoßzeiten im Stau.

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1975: Der Ursprung der Linie 6

Die Wurzeln der künftigen Linie 6 durch das Frauenland zur Universität gehen bis ins Jahr 1973 zurück. Damals gab die Würzburger Straßenbahn eine Planungsstudie des Stadtbahnnetzes in Auftrag und man spielte mit dem Gedanken, vom Sanderring aus eine 3,5 Kilometer lange Strecke in den Osten Würzburgs zu realisieren, inklusive einem 1,4 Kilometer langen Tunnel. Doch die Planungen missfielen der Bevölkerung und der Stadt, weswegen das Projekt sang und klanglos verschwand. Erst als 1995 ein neuer Verkehrsentwicklungsplan aufgestellt wurde, tauchte die Trasse durch das Frauenland zur Universität wieder grob skizziert auf. Auch Gerbrunn sollte an das Straßenbahnnetz angeschlossen werden. Man überlegte, die Trasse künftig ohne teuren Tunnel und Abriss von Häusern bauen zu können, doch es ging mit den Vorbereitungsarbeiten nicht recht voran.[7]

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2008: Günstige Umstände für die Linie 6

Als im Herbst 2006 bekannt wurde, dass die US-Army ihre umfangreichen Liegenschaften im Würzburger Osten bis 2008 vollständig räumen würde, nahm die „Hubland-Linie“ endlich wieder Fahrt auf. Die unmittelbar angrenzende Universität hatte nun die Möglichkeit zur Expansion. Die hohen Studentenzahlen und das mit 20.000 Einwohnern[8] bevölkerungsstarke Frauenland erforderten bis dato bereits 4 Buslinien – alles sprach für eine rentabel zu betreibende, neue Stadtbahnlinie. Es war damit zu rechnen, dass die neue Strecke die wichtigste und nachfragestärkste Straßenbahnstrecke Würzburgs werden wird. Um die zu erwartenden Fahrgastmengen befördern zu können, erwog man sogar längere Stadtbahnzüge zu verwenden.[11]

Bei der Trassenführung wurden mehr als ein Dutzend Varianten diskutiert.[8] Als nachfragestärkste Streckenführung kristallisierte sich 2007 die Route vom Sanderring über den Südbahnhof durchs Frauenland via Wittelsbacher Platz zum Universitätsgelände heraus, mit Weiterführung via dem Leighton-Areal nach Gerbrunn. Problematisch erschien lediglich die fragile Stammstrecke durch die Innenstadt, wo 5 von 6 Linien durchführen würden. Eine Alternative über das Stadttheater, vorbei an der Residenz ins Frauenland wurde als nicht durchführbar betrachtet. Der Autoverkehr würde darunter leiden und es gab Bedenken wegen dem Status der Residenz als Weltkulturerbe.[7] Wichtig für den Erfolg war die Einbindung der Bürger und aller Interessensträger. Auch zu zeigen, wie die Bürger von der Straßenbahn profitieren, kam gut an.[8] Von 2007 bis 2011 wurden die Signale nach und nach auf Grün gestellt.

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Ab 2011: Die Zukunft der Linie 6 am seidenen Faden?

Doch 2011, kurz vor dem Beschluss zur Planfeststellung, bangte man um staatliche Fördergelder, ohne die das Projekt „Linie 6 Hubland“ zum Scheitern verurteilt wäre. Denn die 83 Millionen Euro für die 5,5 Kilometer lange Trasse, 28 Millionen Euro für die Bahnen und weitere 3,7 Millionen Euro für Haltestellen und Werkstätten hätten die Stadt und die WVV nie alleine tragen können. Fördergelder würden nur fließen, wenn der volkswirtschaftliche Nutzen größer ist als die Kosten.[12] Sollten aber nun höhere Baukosten das Aus für die neue Stadtbahnlinie bedeuten? Alle Befürworter der Straßenbahn ins Hubland gaben nicht auf. 2012 bremste die Diskussion um die Schließung des Oegg-Tors an der Würzburger Residenz die Planungen maßgeblich aus. Auch 427 Einwendungen galt es abzuarbeiten.[13] Dann stritten die Stadträte wieder ums Geld: Die WVV solle die neue Linie stemmen können. Doch „die Verlängerung der Linien 1 und 5 in Grombühl sowie der Umbau der Haltestellen am Bahnhof und Berliner Platz hätten Vorrang.“[3]

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2017–heute: Die Linie 6 nimmt Fahrt auf

2017 sorgten neue Fördermöglichkeiten für Maßnahmen zur Luftreinhaltung von Bund und Land für neuen Optimismus.[14] Zum inzwischen 120 Millionen Euro teuren Projekt würde der Bund 60 Prozent und der Freistaat Bayern 20 Prozent beisteuern.[15] Es bestand sogar Hoffnung auf eine Bezuschussung von bis zu 95 %.[16] Doch das Planfeststellungsverfahren, das seit 2012 lief, dauerte weiter an, weil es im Laufe der Zeit zu weiteren Änderungen kam.[17] Im Dezember 2020 konnte endlich das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen werden und der Stadtrat legte einen konkreten Zeitplan fest: Im März 2027 soll die neue Straba-Linie 6 in Betrieb genommen werden.[18] Bis Mitte 2023 läuft die sogenannte „Standardisierte Bewertung“, also die Gegenüberstellung der Kosten der Baumaßnahme mit dem volkswirtschaftlichen Nutzen. Dieser ist die Grundlage, um Fördermittel vom Bund und Freistaat Bayern zu beantragen. Danach wird der Zuwendungsantrag folgen, mit Bearbeitungszeit und paralleler Detailplanung. Auch die Ausschreibung der Bauleistung wird zwischen Ende 2023 und Mitte 2024 folgen. Die eigentlichen Bauarbeiten an der neuen Trasse sollen Ende 2024 beginnen.[19]

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Quellenangaben

  1. „Ohne Straßenbahn zur Landesgartenschau“, Mainpost, 18.06.2013.
  2. „Massiver Rückschlag für Linie 6“, Mainpost, 7.09.2012.
  3. „Linie 6: Stadträte streiten wieder ums Geld“, Mainpost, 28.01.2014.
  4. „Sand im Getriebe der Hublandlinie“, Mainpost, 25.04.2018.
  5. „Würzburg: Neue Straßenbahnlinie 6 soll 2027 in Betrieb gehen“, BR.de, 23.04.2021.
  6. „Wie geht es weiter?“ in: „Die Straßenbahn ins Frauenland & Hubland“, Website der WVV, abgerufen am 16.03.2023.
  7. Thomas Naumann: „Würzburg: Stadtbahn Frauenland – Universität in den Startlöchern“, Stadtverkehr 10/07, S. 23-29.
  8. Thomas Naumann: „Aufbruch am Main“, Straßenbahn-Magazin 9/09, S. 14-27.
  9. „Das Comeback der Straßenbahn“, Wirtschaftswoche, 05.08.2009.
  10. „Äußerst beliebt“ in: „Die Straßenbahn ins Frauenland & Hubland“, Website der WVV, abgerufen am 16.03.2023.
  11. Thomas Naumann: „Würzburger Wandlungen“, Straßenbahn-Magazin 11/07, S. 32-41.
  12. „Fliegt die Linie 6 doch noch aus dem Gleis?“, Markt am Mittwoch, 27.07.2011.
  13. „Klare Mehrheit für die Linie 6“, Markt am Sonntag, 09.12.2012.
  14. „Straßenbahnlinie 6 für Würzburg nimmt Fahrt auf“, BR.de, 29.09.2017.
  15. „Wer zögert, wird hinten angestellt“, Mainpost, 07.02.2018.
  16. „Linie 6 und Fußgängerzone Theaterstraße“, Mainpost, 19.02.2018.
  17. „Straba-Linie 6: Wann es weiter gehen könnte“, Mainpost, 28.10.2019.
  18. „Würzburg: Neue Straßenbahnlinie 6 soll 2027 in Betrieb gehen“, BR.de, 23.04.2021.
  19. „Wie geht es weiter?“ in: „Die Straßenbahn ins Frauenland & Hubland, Website der WVV, abgerufen am 16.03.2023.

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