Straßenbahnwagen GT-H der Würzburger Straßenbahn

Nach dem Kauf von 10 sechsachsigen GTW-D6 im Jahre 1966 bei Düwag und diversen Gleissanierungen blieb Anfang der Siebziger nicht mehr viel Geld für neue Schienenfahrzeuge übrig. Die C-Wagen waren aber dermaßen verschlissen, dass eine erneute Laufzeitverlängerung um nochmals 5 Jahre zirka 750.000 Mark verschlungen hätte. Schließlich hatte die WSB zu der Zeit das Glück gehabt, dass die Hagener Straßenbahn stillgelegt wurde und relativ neue Fahrzeuge zum Verkauf anstanden.

Die sechsachsigen GT6 wurden in Hagen besichtigt und man sah den Zügen an, dass sie erst 300.000 Kilometer zurückgelegt hatten. Sie waren praktisch neuwertig. Somit entschied sich die Würzburger Straßenbahn zwölf dieser Sechsachser für einen Spottpreis von 100.000 Mark pro Bahn einzukaufen.

Natürlich mussten die neuen Gelenktriebwagen mit der neuen Typenbezeichnung GT-H (das H steht für Hagen) so schnell wie möglich für den Plandienst fit gemacht werden. Intensive Arbeiten an acht Zügen trugen schnell Früchte, indem schon am 15.11.1975 einige GT-H auf der Linie 4 ihren Dienst antreten konnten. Nach und nach verfügte die WSB wieder über einen typenreinen Düwag-Fahrzeugpark.

Gegenüber den C-Wagen boten die Züge aus Hagen 70 Prozent mehr Platz, waren schneller und leiser. Die vier noch nicht verwendeten Wagen wurden mit der Zeit umfassend modernisiert. Unter anderem wurden die Fahrmotoren getauscht, die Türen und die Beleuchtung an hiesige Verhältnisse angepasst, Federspeicherbremsen implementiert und Entwerter montiert. Selbstverständlich mussten auch die Zielbandanzeigen mit dem Würzburger Streckennetz kompatibel gemacht werden. Darüber hinaus fielen vielen Kleinigkeiten an, wie beispielsweise neue Scheibenwischer und Kupplungen. Die ersten drei GT-H, die in Würzburg eintrafen, blieben als Zweirichungsfahrzeuge erhalten, alle anderen 9 Strabas rüstete man zu Einrichtungsfahrzeuge um.

Als 1996 die ersten GT-N in Dienst gestellt wurden, verdrängten sie peu à peu die „Hagener“, die bereits mehr als 2,5 Millionen Kilometer "auf dem Buckel hatten". Ein paar Jahre später verkaufte die WSB einige Züge nach Arad in Rumänien, wo sie sich weiterhin nützlich machen konnten. Ein GT-H wurde zu einem Vereinsheim der Sportfreunde der WVV umfunktioniert und ein ex-Hagener bleibt noch als betriebsbereiter Oldtimer erhalten. Nach oben scrollen

Technische Daten

Bezeichnung: Sechsachsiger Gelenktriebwagen GT-H
Bauart: GT6
Fahrzeugnummern: 270 - 281 (ehem. 70 - 81)
Abgekauft: 1975
Hersteller: Düwag
Spurweite: 1000 mm
Höchstgeschwindigkeit: 65 km/h
Achsfolge: B'2'B' (?)
Fahrleitungsspannung: 750 V DC
Fahrmotoren: 2 x 110 kW
Bremssysteme: Generatorische Widerstandsbremse
2 Federspeicherbremsen als Feststellbremse
Haltebremse (Federspeicher Teilkraft)
Schienenmagnetbremse
Leergewicht: 21,8 t
Gesamtgewicht: 34,8 t
Platzangebot: 40 Sitzplätze
131 Stehplätze
Länge / Breite / Höhe: 20.100 / 2.200 / 3.485 mm
Fußbodenhöhe: 800 mm (Sitzraum)
680 mm (Plattform)

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